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Neulich im Supermarkt (Teil 3)

 


 

Schnell noch zum Supermarkt.

Zutaten für richtig schönes, nicht gesundheitsförderliches Bolognaise-Gratin mit Zutaten fast ausschließlich nicht frisch sind mein Anliegen.

 

Am Einkaufswagenunterstand einen Wagen mit Resten des Vornutzers gegen einen gelben Plastik-Chip in etwa 1-Euro-Größe gezogen. Was sind das wohl für asoziale Zeitgenossen, die ihren Müll im Einkaufswagen zurück lassen? Scheißen die bei sich zu Hause auch in die Ecke, weil es schneller geht als bis zum Lokus zu laufen? Vermutlich. Eine bräunlich verschmierte Klarsichtfolie befindet sich im Wagen, im nächsten Reste von Gemüse und in der rechten Wagenkolonne ziemlich viel Papier, unter anderem Werbung des Supermarktes, aber auch Verpackungsmüll. Scheint ein beliebter Treffpunkt der Messies und sonstigen Drecksäcke zu sein, dieser Supermarkt. Das bräunliche Geschmiere an der Folie sieht aus wie Schokolade oder besser gesagt kakaohaltige Fettglasur wie es sie unter anderem an einigen Produkten des Bäckereiwarenstandes im Kassenbereich zu erwerben gibt. Die Frage die sich mir stellt ist, ob das Asigesindel am Unterstand der Einkaufswagen ein Picknick veranstaltet hat oder die schmierigen Backwaren zum Abtransport in die Hose gesteckt haben, letzeres ist mein klarer Favorit. Wie auch immer, während ich gekonnt mit dem rechten Fuß die Schmierfolie aus dem Wagen entferne, werde ich von einem älteren Herren abwertend beäugt. Auch dabei stellt sich mir die Frage, ob es eventuell eine Art Verärgerung war, weil ich ihm die möglicherweise sicher geglaubte Beute so mir nichts dir nichts auf den Boden bugsierte oder ob er meine klassische Art der Entsorgung fremden Abfalls unschön fand. Es sei erwähnt, dass der Supermarktbetreiber es nicht für nötig hält, bei den Einkaufswagen einen Abfallbehälter bereit zu stellen, aber im Laden gibt es sehr wohl die Möglichkeit supermarkttypische Abfälle sogar fachgerecht zu entsorgen.

 

 

Wie auch immer, mit meinem Mietwagen bewaffnet - ist ihnen schon einmal aufgefallen, wie aggressiv manche Autofahrer auf Supermarktparkplätzen auf Fußgänger zurasen und wie vorsichtig die gleichen lebensunwerten Wichser plötzlich fahren können, wenn man eine Waffe aus verchromten Metallgittern mit Rollen bei sich führt? Faszinierend.

 

Beim gleichzeitigen Betreten und Befahren (Wagen) des Supermarktes geht es zunächst vorbei am Backwarenstand einer im Ruhrgebiet sehr häufig anzutreffenden Kette. Tatsächlich erblicke ich sofort mehrere Waren mit einem Überzug, welcher farblich der Schmierfolie - die jetzt irgendwo über den Parkplatz weht - durchaus ähnlich sieht. Ich hätte die Verkäuferin fragen können, ob vor kurzer Zeit irgendwelche schmierigen Gestalten solche Backwaren erworben hätten und vermutlich hätte sie geantwortet, dass da welche waren - die sofort gefressen hätten und dann die schmierige Folie in den Wagen geworfen hätten und als sie, die Verkäuferin, fragte ob sie die Folie für sie wegwerfen solle, haben die schmierigen Gestalten geantwortet, dass die Folie eine kleine Überraschung für den nächsten Kunden der einen Einkaufswagen leihen wolle sein soll, ja, wäre nicht wirklich völlig auszuschließen…

 

 

Der Supermarkt selbst ist nach aktuellen Empfehlungen von Marketing-Psychologen aufgebaut. Zunächst läuft man an einer Schubkarre vorbei, die tatsächlich zum Verkauf angeboten wird. Könnte auch Dekoration fürs Obst und Gemüse sein, welches direkt am Anfang geschickt ausgeleuchtet zum Kauf anregen soll, ist aber offenbar Teil der aus zwei Artikeln bestehenden Gartenabteilung, denn es gibt noch Blumenerde zu kaufen, der handliche 20l Platt-Sack mit der mittelmäßigen Qualität, aber günstig. Da ich wie eingangs erwähnt nur wenig frische Ware benötige, Gemüse und Obst sind es nicht, fahre ich direkt aus vollem Lauf einem älteren Herren - nicht der von der Folienaktion - fast in die Hacken, und zwar zu Recht. Warum bleiben Leute plötzlich stehen? Mitten im Gang, ohne sich für eine der angepriesenen waren zu interessieren, einfach mal stehenbleiben. Haben sie mich nicht wahrgenommen oder ignorieren sie mich? Ich persönlich bewege einen Einkaufswagen ähnlich wie ein Auto oder ein Fahrrad. Ich schiebe die Karre vorrausschauend durch den Laden. Ich versuche auch seit Jahrzehnten vergeblich rechts vor links in deutschen Supermärkten einzuführen, warum auch nicht, würde den Einkauf für alle nicht nur schneller sondern auch sicherer machen!

 

Aber egal, weiter vorbei am abgepackten Brot, die Marmeladenregale rechts liegen lassend und schon bin ich bei den Molkereiprodukten. Für mein Essen benötige ich zwar keine Milch, aber Milch braucht man immer. Also tauche ich ab in die Kühle des Regals und frage mich anschließend, warum mein Einkaufswagen plötzlich mehrere Schritte weiter steht. Nur mal so erwähnt, der Wagen stand so, dass locker zwei andere Wagen nebeneinander vorbei gepasst hätten. Aber irgendwer fand den Weg offenbar zu eng oder wollte mir einfach nur so auf den Sack gehen. Apropos verschwundener Wagen. Vor Jahren wurde mir mal ein Einkaufswagenchip samt darum befindlichen Wagen gestohlen. O.k., der Wagen gehört dem Supermarktbetreiber, aber der Chip war meiner. Jedenfalls sehe ich seit dieser Zeit zu, den Wagen nicht aus den Augen zu lassen, solange noch keine Waren darin liegen. Gut, professionelle Chipdiebe würden die Waren ins nächste Regal feuern, aber Leute die Einkaufswagenchips klauen sind vermutlich auch bewaffnet oder zumindest chronisch ungewaschen. Wie auch immer. Jedenfalls lasse ich meinen leeren Wagen in der Regel nicht aus den Augen und könnte meinen Einkaufswagenchip problemlos detailliert beschreiben, wenn es nötig wäre auch gerne beim Haftrichter - also Vorsicht ihr Diebesgesindel.

 

Mit der Milch im Wagen ist der Einkauf gleich entspannter. Selbstverständlich folgt als nächstes eine Barrikade im Gang, aufgestellt von einer jüngeren Dame. Warum sie den Einkaufswagen quer in den Gang stellen musste um im übernächsten seitlichen Gang nach Nudeln zu suchen können vielleicht die zahlreichen Stimmen in ihrem Schädel beantworten, zumindest glaube ich das. Möglicherweise war auch sie die Person, die vor wenigen Augenblicken meinen ordentlich geparkten Wagen weiter geschoben hatte, vermutlich weil er ihr nicht schräg genug im Weg gestanden hat.

 

 

Nudeln brauche ich eigentlich nicht, da ich den freundlichen Befehl der Regierung bezüglich Vorratsanschaffung ohne besorgniserregenden Anlass teilweise umgesetzt habe und solche Hartweizenprodukte eigentlich immer zu Hause habe. Damit dies auch nach dem heutigen Essen so bleibt, ergänze ich um die bald verbrauchte Menge vorrausschauend meine Lagerbestände und werfe vorsichtig ein ganzes Paket (500g) neben die Milch im Wagen.

 

Noch bevor ich meinen Einkauf fortsetzen kann, werde ich von einem Kunden gefragt, ob ich denn wüsste, wo sich das Waschpulver befindet. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne hilfsbereit bin, aber wenn in Sichtweite zwei Mitarbeiter des Supermarktes während der Fragestellung zu erblicken sind, stellt sich mir die Frage, ob nur ich diese deutlich an der Kleidung erkennbaren Supermarktangestellten sehen kann oder für was genau mich der andere Kunde hält. Wie dem auch sei, ich deute auf die Regalreihe wo sich die gesuchte Produktgruppe befindet, der Fragende dankt nicht wirklich sondern quittiert meine Auskunft mit einem „aha“ und geht direkt in die entgegengesetzte Richtung. Ich warte noch ein paar Sekunden, ob eventuell ein Produktionsassistent einer total lustigen TV-Sendung mit einem Zettel zum Unterschreiben bezüglich der Persönlichkeitsrechte in Falle einer Ausstrahlung grinsend angelaufen kommt, aber Fehlanzeige.

 

Mein nächster Weg führt an den schmackhaften Tütenprodukten von zwei Marktführern für solche hefeextrakthaltigen Nahrungsmitteln ohne Geschmacksverstärker vorbei. Die grüne Marke ist im Angebot, also ergänze ich auch diese Vorräte in einer haushaltsüblichen Menge. Eines schönen Tages teste ich das wirklich mal und nehme einen ganzen Karton mit zur Kasse und warte darauf, dass das Kleingedruckte aus dem Prospekt, wo auf die „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“ hingewiesen wird, auch kontrolliert wird und mir der Ankauf eines Kartons oder sagen wir besser gleich zwei Kartonagen, verwehrt wird. Ich würde, sofern ich so viel Zeug wirklich kaufen wollte, sagen, dass ich keinen Fernseher und deshalb 18 Kinder und drei Ex-Frauen zuzüglich Großeltern und 5 Pflegekinder habe und für mich diese beiden Kartons haushaltsüblich seien und ich mit dem vermeintlichen Vorrat höchstens drei Tage auskommen würde. Ja, sollte ich mal machen.

 

Egal, weiter geht’s zur Frischfleisch-Theke. Warum inzwischen die Fischtheke mit einer Glastür baulich vom Rest der Waren getrennt ist, ist für mich nicht ganz einleuchtend. Wenn es um Keime gehen sollte, so sollte man besser die ganze Frischfleischabteilung schließen - denn wenn beim Fisch Keime zu vermuten sind, welche das Fleisch kontaminieren könnten, ja dann ist das ein Fall fürs Gesundheitsamt. Die Geflügelwaren liegen aber direkt neben Rind- und Schweinefleisch, dort könnten auch Keime zu finden sein, es gibt ja auch die Empfehlung Messer und Schneidebretter, die mit Geflügel in Kontakt gekommen sind, sofort unter fließendem Wasser zu reinigen (Salmonellen). Warum ist dann keine räumliche Unterteilung zu den Geflügelwaren? Auch die Mitarbeiter wechseln zwar zwischen Fisch und Fleisch die Einweghandschuhe, die Kleidung jedoch nicht. Von daher ist es ohnehin nur eine Art Show-Effekt, glauben sie mir, ich weiß wovon ich rede, ich bin u.a. geprüfter Sterilisationsassistent und habe über 15 Jahre in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen gearbeitet - Hygiene gibt es entweder ganz oder gar nicht. Es gibt kein „teilweise steril“, sondern nur „steril“ und „unsteril“ - Abstufungen sind zumindest offiziell nicht möglich. Das soll nicht gleichbedeutend sein mit der Annahme, dass in diesem Supermarkt die Waren nicht hygienisch einwandfrei wären. Das werden sie vermutlich sein, tote Tiere bzw. Teile davon in der rohen Version sind nie steril, zumindest sofern sie noch zum Verzehr geeignet sein sollen. Man könnte, um auf „steril oder unsteril“ noch einmal einzugehen, mit viel Wohlwollen von „keimarm“ sprechen und nicht alle Keime sind gesundheitsgefährdent, aber das nur so nebenbei. Es geht bei der möglichen Keimverschleppung lediglich um pathogene, also krankmachende Keime. Das praktische an den meisten Keimen, nur sehr wenige Ausnahmen, ist, dass sie verschleppt werden müssen. Aus eigener Kraft kann sich (fast) kein Keim fortbewegen. Daher nutzen „schlaue“ Keime gerne Kittel und Schuhsohlen zum bequemen Transport an einen anderen Ort, einen mit etwas Glück besseren zur Vermehrung. O.k., das mit dem „schlau“ ist jetzt nicht wörtlich gemeint, bisher ist keinerlei Bewusstsein bei Bakterien nachgewiesen worden, bisher. Das Atom hat bekanntlich seinen Namen, da es einst als unteilbar galt. Nun ja, umbenannt wurde es trotzdem merkwürdigerweise nie.

 

Egal, diese fürchterliche Jaulmusik im Supermarkt macht mich fertig. Beim Blick auf das Regal mit dem Klopapier wird mir klar, dass mindestens 86% der Musik in Supermärkten während heftiger Verdauungsstörungen auf dem Lokus geschrieben und teilweise auch dort eingesungen werden. Meine Fresse, dass grenzt nicht an sondern ist eine üble Form der Körperverletzung, dieser Chart-Rückblick der letzten etwa fünf Jahre. Ich höre überwiegend „Thrash Metal“, verlange gar nicht das diese Musik im Lebensmitteleinzelhandel gespielt wird, aber dieses Popgeschnulze mit den hirntoten Texten ist wirklich unerträglich. Bei solchen Gelegenheiten verfluche ich oft den Zeitpunkt, an dem ich englische Texte komplett verstehen konnte. Furchtbar. Leute, die diese Sprache nicht wirklich verstehen haben es in solchen Momenten wirklich besser. Muss für die so ähnlich sein, als wenn ich einen italienischen Schlager höre. Außer „oh sole mio de popo“ verstehe ich da zum Glück nix.

 

 

An der Frischfleischtheke bemerke ich dann, dass Werbung nicht grundsätzlich lügt. Ich bestelle 500g Gehacktes gemischt und mit einem gekonnten Wisch mit dem Hackebeilchen durch die Fleischmasse klatsch die vermutlich Fleischereifachverkäuferin exakt im ersten Versuch dieses halbe Kilo auf die Waage. Nicht schlecht, genau wie einst in der Werbung gezeigt. Trotzdem habe ich auf dem Bon für die Scannerkasse nur 498g berechnet bekommen, da die Folie noch gewichtsmäßig subtrahiert wurde, alles so wie es sein soll. Früher bestellte ich immer Gehacktes „halb und halb“, so wie es eigentlich jeder Kunde tat. Dann durften die Fleischhändler das Produkt nicht mehr so nennen, da der Anteil von Rind- und Schweinefleisch nicht exakt 50% betrug. Bei gemischtem Gehackten habe ich aber unterschwellig die Befürchtung, dass es jetzt auch ein Gemisch aus allen in der Metzgerei zur Verfügung stehenden Fleischsorten sein könnte, ohne dass man dem Verkäufer wirklich eine Täuschung des Verbrauchers vorwerfen könnte, da er ja „gemischtes Gehacktes“ verkauft hat - was da gemischt wurde, wurde nie gefragt oder gesagt. „Im Fleischwolf sind alle Tiere gleich“, könnte man sich als gewiefter Geschäftsmann sagen und die Fischabfälle mit sagen wir bis zu 5% einfach dazu geben. Sieht und riecht kein Mensch.

 

Neben den Leuten im Supermarkt, die plötzlich stehen bleiben und dann blöd kucken, wenn sie irgendwann bemerken, dass sie mehreren anderen Kunden mal eben so unnötig den Weg versperren, gibt es auch noch die Kamikaze-Käufer bzw. diese Zeitgenossen die tatsächlich glauben sie seien allein im Laden oder noch besser gesagt, der Meinung sind, alle haben sich ihrem Hirnschaden anzupassen. Sie rasen rücksichtslos mit dem Einkaufswagen, rammen einen beim überflüssigen Überholen oder versuchen einen in Regale und Aufbauten zu schubsen. Das beliebte „in die Hacken fahren“ scheint ihr eigentliches Ziel im Supermarkt zu sein, denn oft haben diese Wichser weniger als fünf kleine Teile im Wagen und könnten auch einen Korb oder ihre Hände für den Transport bis zur Kasse benutzen. Daher unterstelle ich bei zumindest einem Teil dieser Personengruppe Absicht oder juristisch eindeutiger „Vorsatz“.

 

Auf eine andere Art dämlich sind aber auch die Regaleinräumer oder "Kaufleute im Einzelhandel" wie sie gerne genannt werden. Eigentlich wollte ich noch eines der immer weniger Inhalt aufweisenden 5er-Pack Schokoriegel erwerben, jedoch ist ein "Mitarbeiter*in" des Ladens der Meinung, dass dieses Produkt temporär nicht erworben werden darf. Anders kann ich mir die Platzierung eines Kartonagenstapels direkt vor dem entsprechenden Regal nicht erklären. Weit und breit niemand zu sehen, das Warenregal ist versperrt und ja, natürlich müssen Waren nachgefüllt werden, aber warum verstellt man die Regale stundenlang mit Kartons? Dann auch noch so, dass es unmöglich ist hinter den Stapel von Kartons zu greifen, also press ans Regal. Wenn wenigstens jemand dort einsortieren würde, aber gut, wenn dieses Regal derzeit für den Verkauf gesperrt ist, kaufe ich dieses Produkt halt bei einem anderen Händler...

 

 

Auf dem Weg Richtung Kassen, der Laden hat vier davon, schaue ich noch kurz in die Tiefkühltruhen. Früher waren diese nach oben offen, so dass man direkt Waren entnehmen konnte. Heute sind Glasschiebedeckel dort angebracht. Klar, ist wesentlich enrgieeffizienter als 24 Stunden den Laden mit abzukühlen, jedoch gibt es Läden, bei welchen auf diesen Schiebetüren Waren platziert sind. Beim öffnen der jeweils oberen Scheibe ist das natürlich kein Problem, aber irgendwie muss ich immer die untere bewegen. Ich frage mich dann häufig, ob die Person vom Supermarkt, welche die Ware dort hingestellt hat, früher nicht die Sesamstraße und die Episoden mit „Was passiert dann“ gesehen hat. Vermutlich ist es aber schon die Generation „Teletubbies“, die heute eine Ausbildung zum Einzelhandelspersonal (hoffentlich gendergerecht) absolviert. Beim ungeschickten hinstellen der Ware hat die Person vermutlich wiederholt „Lala…Dippsi…Po“ gemurmelt und verwirrt drein geblickt. Egal, in einem anderen, inzwischen geschlossenen Laden, sah ich mehrfach, wie ein Rollwagen (diese typischen hohen) mit Tiefkühlprodukten ewig vor den Truhen stand. Hinschieben ging schon, leider wurde die Ware erst nach der Pause und was auch immer eingeräumt. Einmal waren gefrorene Torten seitlich gepackt auf einem solchen verwaisten Wagen abgestellt gewesen. Ich nahm also so ein leicht verderbliches Lebensmittel, schob die Papphülle zur Seite und erblickte die komplette Dekoration inklusive Teile des geschmolzenen Glasur in einer Ecke des foliierten Styroporrahmens. Lecker. Die Tiefkühlkette muss wohl schon länger unterbrochen gewesen sein. Es befanden sich auch Pizzen und gefrorene Fleischwaren auf dem eigentlich zum unverkäuflichen Abfall gehörenden Rollwagen. Jedenfalls habe dort nie wieder Tiefkühlwaren gekauft und alle im Bekanntenkreis darüber informiert. Sollte dies ein Baustein zur Schließung der Bude gewesen sein, würde es mich freuen. Jedenfalls scheue ich mir seit diesem Erlebnis solche Produkte sehr genau an, bevor ich sie kaufe. Ein Sack Pommes frites, der als Klotz im Tiefkühlfach liegt, ist definitiv zwischenzeitlich zumindest ordentlich angetaut gewesen, vielleicht sogar komplett aufgetaut. Die Hersteller weisen bei einer unterbrochenen Kühlkette ausschließlich darauf hin, dass die Ware besser nicht mehr verzehrt werden sollte. Daraus folgt, dass der Kauf von angetauten Produkten gleich zu setzen ist, mit dem Ankauf des Inhaltes des Müllcontainers des Supermarktes. Kann soweit noch unbedenklich sein, aber wissen tut man es nicht und eine Gewährleistung besteht schon gar nicht. Es muss nicht einmal der Händler beziehungsweise seine Angestellten als Verursacher verantwortlich sein. Bis heute haben nicht alle Supermärkte die gefrorenen Waren direkt im Kassenbereich. Also kann man sich selbst die Ware verderben, noch bevor man sie bezahlt hat. Ebenfalls bei einigen Leuten beliebt ist das Zurücklegen von Tiefkühlwaren, nachdem man sie am Anfang des Einkaufs schon mal in den Wagen gelegt hatte und sie dann doch nicht mehr möchte. Das gilt natürlich auch für Frischfleischprodukte die ins Keksregal gelegt wurden, die der Händler selbstverständlich entsorgt…, selbstverständlich und halleluja.

 

 

Direkt nach den Tiefkühltruhen und unmittelbar vor den Kassen gibt es dann noch zahlreiche Aktionswaren, oft in dekorativen Pappkartons des Herstellers oder auf kleinen Gittertischen angeboten. In diesem Laden ist diese Offerte jedoch mit äußerster Vorsicht zu genießen, da es sich oft um abgelaufene oder kurz vor dem Erreichen des MHD befindliche Ware handelt, die nur teilweise reduziert angeboten wird. Grundsätzlich spricht nichts gegen den Verkauf solcher wäre, jedoch wäre ein entsprechendes Hinweisschild an den Produkten nett und früher auch üblich.

 

Von den vier Kassen sind selbstverständlich nur zwei in Betrieb und die Schlangen entsprechend lang. Beim beladen des Transportbandes erblicke ich den Typen, der mich vorhin bezüglich Waschmittel gefragt hatte, an der Nebenkasse. Waschmittel hat er selbstverständlich nicht dabei.

 

Kurze Zeit später wird dann meine Ware über den Scanner der Kasse gezogen und ich bin erneut versucht der Kassiererin zu erklären, dass „Wetten, dass“ bereits vor Jahren vom schmierigen Lanz zu Grabe getragen wurde und sie hier keine Übungen für eben diese Sendung anstellen bräuchte. Mal ehrlich, was soll dieses Hochgeschwindigkeitsscannen? Es wird dadurch nichts beschleunigt, sondern es dauert eher länger, jedenfalls solange ich Kunde bin.

Ich räume trotz der Hektik zuerst meine komplette Ware wieder in den Einkaufswagen und bezahle dann, da ich es nicht sonderlich schätze, wenn die Kassiererin bereits den nächsten Kunden schnell abfertigt und dann dessen Waren mit meinen mischt oder besser gesagt zerdrückt. Erst wenn ich alles wieder im Wagen habe bezahle ich, die Zeitersparnis für die Kassiererin ist dadurch nicht mehr messbar und ich bin durch das Werfen und ineinanderschieben meiner Waren genervt.  Was also soll der Blödsinn?

 

Beim Versuch den Laden mit dem Einkaufswagen Richtung Parkplatz zu verlassen wieder diese Zeitgenossen mit den Problemen im Kopf. Mitten in der Tür des Supermarktes bleiben sie urplötzlich stehen, suchen etwas im Wagen und schauen sich in aller Seelenruhe ein Produkt an, legen es zurück und suchen etwas in ihrer Jacke. Vorbei an diesen Leuten geht es auch nicht, da sie exakt so geschickt stehen, dass in beide Richtungen kein Weiterkommen mehr möglich ist, so als ob sie eine Schulung besucht hätten, bei der sie erlernt haben, wie man sich exakt so bescheuert hinstellen muss, dass man wirklich jedem auf den Sack geht. Vielleicht gab es da mal einen VHS-Kurs oder so, ich weiß es nicht.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es dann endlich weiter, nebenbei, wenn man solche Leute entsprechend Anspricht, wird es in der Regel nicht besser, sondern man erntet noch böse Blicke, weil man ja kein Verständnis für deren Hirnproblematik aufbringt.

 

Auf dem Parkplatz, mit dem Einkaufswagen, das Anfangs erwähnte Phänomen. Kein Autofahrer versucht mich vor sich herzutreiben, da mein Wagen eine unschöne Beulen und Lackschäden verursachende Waffe darstellt. Gehen sie mal ohne Einkaufswagen über einen Supermarktparkplatz…

 

 

                                                                                                                                                                                                                                         Ralf von Eickel im März 2019

 

 

 

 

 

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Text, Bilder, Grafiken erstellt von Ralf von Eickel


 

 

 

 

 

 

 

 

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